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Vorkommen des Grapplings
Sportlich
Unter sportlichem Bodenkampf verstehe ich Wettkämpfe oder Sparringsrunden,
bei denen Schläge sowie Selbstverteidigungsmittel nicht erlaubt sind.
Es wird nach den Regeln der jeweiligen Veranstaltung oder Sportart gekämpft.
So sind
zum Beispiel in Judo Wettkämpfen Beinhebel verboten. Im Sambo sind
es dafür die Würgetechniken und so hat jede Veranstaltung die
festen Regeln. Die Grundprinzipien sind jedoch immer gleich. Dieses Buch
hat das Ziel, vor allem auf den sportlichen Aspekt des Bodenkampfes zuzugehen.
Der sportliche Bodenkampf ist die moderne Form des Ringens. So werden
zum Beispiel jedes Jahr in Abu Dhabi, Saudi Arabien die inoffiziellen
Submission Wrestling Weltmeisterschaften durchgeführt. Nach den Jahren
des Boxens, Sportkarates und Thaiboxens, haben die Menschen wieder Lust,
sich auf eine Art zu messen, die weniger gefährlich und schmerzhaft
ist. Im krassen Gegensatz dazu stehen Vale Tudo Kämpfe. Beim sportlichen
Wettkampf gibt es eigentlich zwei Varianten zu unterscheiden. Diejenigen
mit Gi und diejenigen ohne Gi. Was ist nun besser?
Bodenkampf mit oder ohne Gi?
In dem
letzten Jahrzehnt wurde die Kampfsportwelt von Grunde auf durchgerüttelt
durch die Gracie Familie und Ihr Brazilian Jiu Jitsu. In Rio existierte
die Brazilian Jiu Jitsu Wettkampfszene schon seit über 30 Jahren.
Es waren die neuartigen Ultimate Fights und anderen Veranstaltungen, die
Brazilian Jiu Jitsu ins Rampenlicht drängten. Plötzlich gab
es eine riesige Nachfrage unter den Kampfsportlern nach Bodenkampf und
Grappling.
Viele der Kampfsportler, die nun Bodenkampf in ihr Repertoire aufnahmen,
trainierten den Bodenkampf ohne Gi oder Kimono, sondern in einem T-Shirt
oder mit nacktem Oberkörper.
Natürlich ist es wahr, dass man sich nicht durch die Schranken eines
Stils den jeweiligen Riten, Etiketten und Regeln anpassen darf, sondern
eigene Ideen und Fragen einbringt ("absorb what is useful and reject
what is useless", Bruce Lee), die das Training interessanter und
vor allem realistischer macht. Trotzdem gibt es einige Aspekte des Gis
die man beachten soll.
Der
erste und auch offensichtlichste Grund ist, dass man die meiste Zeit nicht
in so einem warmen Klima lebt, wo man nur die Badehose oder das T-Shirt
trägt. Ausser einige sehr Glückliche. In Europa trägt man
Jacken oder mindestens Pullover während etwa neuen Monate im Jahr.
Sparring im T-Shirt ist also eher unrealistisch. Wenn man mit dem Gi kämpft,
kann man nicht nur einige Würgetechniken mehr machen, die man mit
dem Gi ausführt. Es werden auch viele neue Möglichkeiten eröffnet,
wie man jemand kontrollieren und greifen kann. Jeder, der ein realistisches
Szenario proben will, sollte dies auch so betrachten.
Sparring mit dem Gi kann viel schwieriger sein als ohne ein Gi. Du hast
sicherlich mehr Techniken und Würgetechniken um anzugreifen, und
Du muß Dich auch gegen diese wehren können. Jetzt hast Du Ärmel
und Revers um zu greifen. Alles wird nun viel schwieriger. Mache das Experiment
und kämpfe zuerst 5 Minuten mit Gi und dann fünf ohne Gi. Du
wirst überrascht sein, dass du flüssiger arbeiten wirst. Andererseits
muß man jedoch auch erwähnen, dass die meisten Judokämpfer
ohne Gi eine eher klägliche Vorstellung abgeben.
Wenn
du nun einen Schritt weiter gehst, kannst Du Sparring unter den Regeln
von Brazilian Jiu Jitsu Wettkämpfen machen. Diese Regeln werden Deine
Eigenschaften im Bodenkampf verbessern. Es wurde viel gesprochen, dass
die Wettkampfversion die Effektivität des Brazilian Jiu Jitsu verschlechtert
hat. So kann man in Brazilian Jiu Jitsu Punkte machen, wenn man jemanden
in die Mount Position nimmt, die Guard passiert oder einen Wurf macht.
Rorion Gracie hat einmal gesagt, dass Brazilian Jiu Jitsu (im Gegensatz
zu Judo) nicht gemacht wurde, um Punkte zu machen, sondern um den Kampf
zu gewinnen.
Natürlich ist es immer noch das Ziel, den Gegner zu unterwerfen
und damit den Kampf zu beenden. Diese Art des Trainings bringt jemanden
dazu, besser zu dominieren. Dies macht Dich zu einem besseren Grappler
oder Bodenkämpfer. Viele Kämpfer bemühen sich zu fest,
einen Armlock oder Choke zu machen, anstatt sich auf die Positionen zu
konzentrieren. Es ist nämlich viel wichtiger, in einer guten Position
zu sein, als sich auf einen Armlock zu konzentrieren.
Dies heisst jetzt nicht, dass sich jedermann einen dieser viel zu teuren
Jiu Jitsu Gis kaufen muss, der voll ist mit Aufnäher und Werbungen.
Die geläufige Empfehlung 80% ohne Gi zu trainieren stimmt immer noch.
Wenn Du jedoch die andern 20% mit dem Gi kämpfst, solltest Du es
so produktiv wie möglich machen. Derjenige, der sich zu fest auf
das Gi versteift hat, wenn er für die Strasse oder Vale Tudo trainiert,
den größeren Nachteil, als derjenige, der es verpaßt
mit dem Gi zu ringen.
Vale Tudo
Vale Tudo nehme
ich hier als Gesamtübergriff für sämtliche Wettkämpfe,
bei denen fast alles erlaubt ist. Natürlich gibt es zwischen den
verschiedenen Verbänden und Veranstaltungen verschiedene Regeln,
doch im Großen und Ganzen sind diese Kämpfe gleichartig. Das
Ziel war es ursprünglich zu ermitteln, wer der beste Kämpfer
ist und was der beste Kampfstil ist. Anfangs der neunziger Jahre fand
in Amerika das erste ULTIMATE FIGHTING CHAMPIONCHIP statt. Kämpfer
der verschiedensten Stile traten gegeneinander an. Gekämpft wurde
in einem Octagon aus Draht. Die ersten zwei dieser Wettkämpfe gewann
der berühmte Royce Gracie, ein Sohn von Helio Gracie.
All diese Kämpfe gewann er im Bodenkampf. Die meisten der Gegner
waren auf Schlagen und Treten spezialisiert, doch am Boden waren sie machtlos
gegen den viel leichteren Royce Gracie. Der Begriff Grappling entstand.
Was in Brasilien unter dem Namen Vale Tudo schon lange bekannt war, verbreitete
sich nun extrem schnell. Ob in Amerika, Japan, Russland oder den Niederlanden.
Alle wollten sich in regellosen Kämpfen messen. Durch diese neuartigen
Wettkämpfe entstand ein ganz neuer Kämpfertyp. Der moderne Ultimate
Fighter musste sich um Boden und im Stand auskennen. Er musste also eine
gute Mischung aus Kickboxen, Thaiboxen, Judo, Ringen, Sambo, und natürlich
Brazilian Jiu Jitsu beherrschen. Der Begriff für dieses neuartige
Training wird "Cross Training" genannt.
Mittlerweile sind sogenannte "no holds barred" kämpfe
populärer als die K1 Kickbox-Wettkämpfe, die in Japan die grössten
Hallen füllten.
Natürlich
läßt sich sehr gut streiten, über den moralischen Wert
dieser Kämpfe. Selbst ein moderner Kampfsportler, der sich für
solche Kämpfe interessiert, muss zugeben, dass diese knapp an der
Grenze sind. Kritiker bringen immer wieder Parallelen zu den Gladiatorenkämpfen
des alten Roms oder zu blutigen Hahnen- und Hundekämpfen, womit sie
leider nicht ganz Unrecht haben. Spätestens seit dem ersten und aber
auch einzigen Todesfall ist die Kritik sehr laut. Vielerorts werden die
Kämpfe sogar verboten. Trotz aller Brutalität muss man jedoch
einige Punkte erwähnen:
1. Jeder Kämpfer, der in den Käfig oder den Ring
steigt, weiss genau, was auf ihn zukommt und sollte auch bestens trainiert
sein. Im tragischen Todesfall von Douglas Dedge, muss man leider sagen,
dass er nicht wusste, worauf er sich einlassen wird. Er war nicht austrainiert
und sicher nicht im besten Alter für solche Kämpfe. Außerdem
war er ein Karate Kämpfer zu einer Zeit, in der man schon wusste,
dass ein Ultimate Fighter mehrere Stile beherrschen muß.
2. Bei anderen Sportarten wie Skifahren, Klettern, Gleitschirmfliegen
etc. sind schon bedeutend mehr Sportler ums Leben gekommen.
3. Im Gegensatz zu Kickboxen oder Boxen, wird der Kampf
beim Vale Tudo meistens durch Submission gewonnen. Das heißt, dass
der Kämpfer aufgibt. Im Boxen werden im Extremfall über 12 Runden
Schläge ausgeteilt, die meistens auf den Kopf gehen. Dadurch wird
das Gehirn immer an die Schädelwand geschlagen und dies verursacht
Gehirnschäden.
Jeder, der sich für Selbstverteidigung interessiert, sollte sich
auch mit Vale Tudo beschäftigen, weil diese Kämpfe am nähesten
an die Realität des Strassenkampfes kommen.
Streetfighting/Selbstverteidigung
Die vorher beschriebenen Kämpfe des Vale Tudo geben ein gutes Bild
von realistischen Strassenkämpfen ab. Jeder Kampfkünstler, der
sich mit Selbstverteidigung oder Streetfighting beschäftigt, muss
den Bodenkampf in sein Programm nehmen. Wenn jemand sagt, dass er nie
auf dem Boden landen könnte, ist sehr überheblich und kann eines
Tages zu etwas besserem belehrt werden. Gerade für Frauen, die oft
von Sexualtäter zu Boden gerissen werden, weil sie sei vergewaltigen
wollen, ist der Bodenkampf äußerst wichtig. Der Unterschied
zwischen dem Strassenkampf und Vale Tudo Kämpfen ist relativ klein
aber von großer Bedeutung:
Beim
Vale Tudo gibt es zwar wenige Regeln aber diese sind für den Strassenkampf
sehr wichtig. Die effektivsten Werkzeuge, die ein Mensch hat, die er in
einer lebensbedrohlichen Situation anwendet, sind beim Vale Tudo verboten.
Folgende Faktoren erschweren das Grappling auf der Strasse:
Beissen
Kratzen
Die Finger in die Augen drücken
Hodenschläge
Fingerbrechen
Waffen
mehrere Angreifer
Genau diese barbarischen Mittel, sind es, die das ganze Sport Grappling
Training auf der Strasse zunichte machen.
Warum muß ein Selbstverteidigungsexperte also trotzdem sich mit
Brazilian Jiu Jitsu beschäftigen, wenn er dem Gegner ja bloss einen
Finger ins Auge drücken müsste? Das Training am Boden, so wie
es die Grappler und Wrestler betreiben gibt jedem gute Eigenschaften.
Auch wenn nicht jeder sofort in ein Käfig steigen will, oder sich
auf einer Matte mit Typen balgen will, deren Hals dicker ist als ihr Kopf,
Bodenkampftraining bringt gute Eigenschaften. Anschließend an das
normale Bodenkampftraining, sollte aber auch Strassenkampf orientiertes
Bodenkampftraining ausgeübt werden. Mit einer Skibrille, kann man
zum Beispiel Fingerstiche üben. So sollte man all diese Aspekte in
ein realistischen Training einbeziehen.
Die Vale Tudo Kämpfer sind im Octagon alleine. Keiner stört
sie, außer vielleicht der Ringrichter. Auf der Strasse ist es leider
anders. Während ich den Strassenschläger auf den Boden bringen,
mich mühsam in die Mount Position gekämpft habe, und nun endlich
zerstörerische Schläge oder einen Choke anbringen will, kommt
sein Freund von hinten und haut mir eine Flasche über den Kopf. Oder
fünf Freund treten plötzlich auf mich ein. Auch hat man im Octagon
viel Platz. Es stehen keine Stühle und Tische herum wie in einer
Bar. Der Boden ist hart und man kann sich leicht verletzen.
Ein guter Kämpfer weiss sich in allen 3 Games zu helfen und ist
auch bestens trainiert
Standup Game
Clinch Game
Ground Game
Viele Meister und Kampfkünstler sagen zu Vale Tudo, dass ihre strassentaugliche
Technik zu tödlich oder gefährlich sei, um sie in einem solchen
Wettkampf zu testen. Wenn sie zu gefährlich ist an einem Partner
zu testen, heisst das, dass sie nie richtigen Widerstand verspürt
haben. Trotzdem behaupten Sie, dass es in einem Street Fight funktionieren
wird.
Die Art zu Kämpfen wie beim Vale Tudo ist sehr effektiv, weil es
trotz aller Brutalität ein sportlicher Wettkampf ist, mit einem kontrolliertem
Umfeld und mit (wenigen) Regeln. Viele glauben, dass ein Ultimate Fighter
ein erfolgreicher Strassenkämpfer ist. Dies ist aber wieder nur Theorie.
Natürlich solltet ein Kämpfer im Vale Tudo genügend physische
und psychische Eigenschaften haben, um ein erfolgreicher Strassenkämpfer
zu sein.
Beim Vale Tudo vs. Streetfighting muss man jedoch beachten, dass die
meisten Kämpfer ungefähr wissen, was der andere kann. Jeder
Kämpfer hat eine generelle Idee von seinem Gegner. Es gibt also weniger
Überraschungsangriffe. Wie würde ein Ultimate Fighter aber rein
mental reagieren, wenn sein Gegner plötzlich ein Messer oder ein
Baseballschläger hat? Man weiß es nicht. Vale Tudo Kämpfer
sind alles harte Jungs, die hart trainieren. Aber sie trainieren für
das Octagon und nicht für die Strasse. Die mentale Belastung ist
anders auf der Strasse als im Octagon, obwohl die selben Techniken benützt
werden.
Bodenkampftraining ist für denjenigen der sich schützen will
also sehr wichtig
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